Bildung statt Abschiebung
Landesweites Bündnis für das Menschenrecht auf Bildung
„Trotz Ausbildungsvertrag: 20-Jährigem droht Abschiebung“ war die Überschrift eines Artikels in der Frankfurter Rundschau Ende Mai 2025, mit dem Freunde, Lehrkräfte und Mitschülerinnen und Mitschüler von Yared an der Werner-Heisenberg-Schule in Rüsselsheim die Öffentlichkeit wachrütteln wollten. Gleichzeitig starteten sie zusammen mit dem Kreistagsabgeordneten Giorgio Nasseh (SPD) eine Petition, dass Yared in Deutschland bleiben darf und ihm eine Aufenthaltsperspektive eröffnet wird. In kürzester Zeit wurde die Petition von fast 3.000 Menschen unterschrieben. Yared stand zu diesem Zeitpunkt drei Wochen vor dem qualifizierenden Hauptschulabschluss und hatte einen Vertrag für eine Ausbildung zum Altenpfleger in der Seniorenresidenz in Rüsselsheim unterschrieben.
Yared aus Rüsselsheim ist weiter von der Abschiebung bedroht
Yared war im November 2021 als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling von Addis Abeba über den Luftweg mit Pass und deutschem Visum nach Deutschland gekommen und besuchte seitdem die Werner-Heisenberg-Schule. Yared ist Christ und gehört der Volksgruppe der Tigrayer im Norden Äthiopiens an. Dort brach im November 2020 ein Bürgerkrieg aus, der binnen zwei Jahren 600.000 Menschen das Leben kostete.
In den Osterferien erreichte ihn der Abschiebebescheid. Sein Asylantrag war mit dem Hinweis, Äthiopien sei ein „sicheres Herkunftsland“, abgelehnt worden. Die Petition und der öffentliche Druck führten dazu, dass Yareds Abschiebung zunächst „auf Eis“ gelegt wurde, zumal er gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts Berufung eingelegt hatte.
Hessenweit ist das Schicksal von Yared kein Einzelfall. Deshalb gründete sich Anfang Dezember das landesweite Bündnis „Bildung statt Abschiebung“, das vom Hessischen Flüchtlingsrat, von der Diakonie Hessen, dem Landesausländerbeirat (agah), dem Paritätischen Hessen, der Landesschüler*innenvertretung Hessen und der GEW Hessen getragen wird. Im Vorfeld haben sich mittlerweile über 300 Organisationen und Einzelpersonen dem Bündnis angeschlossen. Dazu gehört auch der GEW-Kreisverband Groß-Gerau.
Sie alle treibt die Sorge um die aktuelle Migrationsdebatte um, die auch in Hessen „besorgniserregende Züge“ annimmt. Die sprachliche Verrohung drücke sich auch im politischen Handeln aus: „Immer häufiger werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene abgeschoben – obwohl sie gut integriert sind, zur Schule gehen oder einen Ausbildungsvertrag (in Aussicht) haben“.
Weiter heißt es in der Erklärung: „Wenn angehende Fachkräfte von Abschiebung bedroht sind, ist der Bildungserfolg aller Kinder beeinträchtigt – wie das drastische Beispiel der kürzlichen Abschiebung einer Erzieherin aus Offenbach zeigt. Dass die hessische Landesregierung vereinfachte Verfahren zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse plant, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, ist begrüßenswert. Dass gleichzeitig qualifizierte und dringend benötigte Auszubildende, Arbeits- und Fachkräfte ohne nachvollziehbare Begründung von Abschiebung bedroht sind, ist so kurzsichtig wie unvernünftig.“
Und das sind die konkreten Forderungen des Bündnisses „Bildung statt Abschiebung“:
- die uneingeschränkte Umsetzung bestehender Bleiberechtsregelungen zugunsten der Betroffenen
- die sofortige Umsetzung der im Koalitionsvertrag angekündigten professionellen Struktur für Einzelfallberatungen für Migrant*innen in Hessen
- keine Abschiebung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Kita, Schule oder Ausbildung
„Das Menschenrecht auf Bildung von Kindern und Jugendlichen ist unteilbar – unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. Wir setzen uns dafür ein, dass dieses Recht in Hessen uneingeschränkt gewahrt bleibt. Wir stehen für eine humane und bildungsorientierte Migrations- und Flüchtlingspolitik. Kinder, Jugendliche und ihre Familien sind eine besonders vulnerable Gruppe. Für ihren Schutz stehen wir ein.“
Download: Resolution des Bündnisses “Bildung statt Abschiebung”
Zur Unterstützung dieser Resolution kann man sich hier online eintragen:
https://www.gew-hessen.de/bildung-statt-abschiebung