Stellungnahme zur Bereitstellung von Endgeräten

Die Kreisverbände Groß-Gerau und Main-Taunus informieren

Im August letzten Jahres beschlossen Bund und Länder, dass jeder Lehrer ein Dienstlaptop bekommen soll. Für diese Maßnahme wurden 500 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Dies geschah nachdem man vor den Sommerferien im ersten Lockdown des Corona- Jahres gemerkt hatte, dass hier schon lange etwas im Argen lag. Passiert ist dann lange nichts.

Erst nachdem der erneute Lockdown bereits fast zwei Monate andauerte, schien das Vorhaben, alle Lehrkräfte mit digitalen Endgeräten auszustatten, plötzlich in Bewegung zu geraten. Die immer wiederkehrenden Fragen im Haupt- und Gesamtpersonalrat nach der Umsetzung wurden bis dahin meist mit einem Achselzucken quittiert. Jetzt musste alles ganz schnell gehen: Schulen in verschiedenen Schulämtern wurden aufgefordert, ihren Lehrkräften binnen einer 3-Tage-Frist eine Aussage zu entlocken, ob sie einen Laptop oder ein iPad wünschten. In Rüsselsheim forderte der Schulträger die Schulen sogar zwischenzeitlich auf, sich innerhalb dieser Frist für eine einheitliche Ausstattung zu entscheiden.

Die Kreisverbände der GEW in Groß-Gerau und im Main-Taunus-Kreis kritisieren dieses Vorgehen auf mehreren Ebenen.

Die Mitbestimmung der Gesamtkonferenz und der Personalräte wird größtenteils mit dem Hinweis auf die Eile negiert - wie schon so oft in dieser Pandemie. Wo, so kann man mit Recht fragen, war die Eile der zuständigen Stellen seit dem Beschluss im August?  Es ist klar, dass diese Auswahl eine breite Debatte und Beschlüsse braucht, in die sich alle Betroffenen einschalten können. Nur so kann man auch möglichen  Zerwürfnissen zwischen Apfel- und Fenster- Fraktionen innerhalb der Kollegien zuvorkommen.

Ohne – wie in Rüsselsheim geschehen - grundlegende Informationen soll eine Entscheidung binnen Wochenfrist erzwungen werden. Dabei steht einiges zur Debatte, denn scheinbar ist es angedacht, dass die Festlegung auf Apple oder Windows auf mindestens drei Jahre erfolgt.

Was die GEW dringlichst vermisst, ist eine klare Aussage zur Hardware-Ausstattung, ebenso wie eine Entscheidungshilfe für Schulen und einzelne Lehrkräfte, beispielsweise in Form einer verständlichen (!) Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile beider Systeme. Hilfreich könnte auch eine auf den Arbeitsplatz Schule abgestimmte FAQ-Liste sein. Mit Ausnahme des Kreises Groß-Gerau beschränkten sich jedoch die Anfragen der übrigen Schulträger auf die einfache Alternative „Laptop oder iPad?“.

Der Schulträger Groß-Gerau kündigt in seinem Schreiben an, dass die Computer ohne zusätzliche Software (nur das Betriebssystem ist installiert) kommen. Dazu heißt es lapidar: „Eine

zentrale Beschaffung von Lizenzen und eine zentral gemanagte Installation von Schulträgerseite

ist hierzu derzeit nicht vorgesehen“. Weder Maus noch Tasche gibt es dazu. Das iPad wird keine Tastatur haben. Also wird die Funktionsfähigkeit der schulischen digitalen Infrastruktur einmal mehr an die Lehrer*innen delegiert, die diese mit ihrer Privatausstattung am Laufen erhalten. Doch selbst dieser gute Wille stößt auf Grenzen, denn „aufgrund der Vorgaben aus dem Hardwarewarenkorb ist eine ergänzende Ausstattung, z.B. mit Mobilfunkkarte nicht möglich.“ (Informationsschreiben des Kreises GG).

Einer Klarstellung bedarf es auch, wie der Support der Hardware gewährleistet wird. Es sieht so aus, als ob die IT- Beauftragten der Schule den first-level- support machen sollen. Dafür haben sie aber weder die Ausstattung noch die Zeit. Eine Entlastung für diese Arbeit ist scheinbar nicht angedacht. Dabei pflegen sie schon die Leihgeräte für Schüler*innen und helfen bei der rasanten Digitalisierung wo sie können.

Für die GEW ist klar, dass digitale Endgeräte nützlich sein werden und die Bereitstellung durch den Arbeitgeber schon lange überfällig ist. Auch im Hinblick auf die Frage der Authentifizierung der dienstlichen E-Mail- Konten ist ein solches Gerät geradezu unverzichtbar. Auch die E-Mail- Konten werden danach nützlich sein. Wenn allerdings durch Schnellschüsse und intransparente Entscheidungen kaum nutzbare Computer angeschafft werden, besteht die Gefahr, wieder einmal einen großen Haufen Elektroschrott zu produzieren.

In Übereinstimmung mit den Erläuterungen des HKM gegenüber dem HPRLL heißt es in dem Schreiben des Schulträgers Groß-Gerau wie folgt: „Die Geräte sind für die pädagogische Nutzung gedacht. Sie sollen Lehrkräften für die Durchführung digitaler Unterrichtsformen im Präsenzunterricht und im Distanzlernen sowie für die Unterrichtsvor- und -nachbereitung als Leihgeräte zur Verfügung gestellt werden.“

Dies ist grundsätzlich zu begrüßen. Damit handelt es sich aber nicht um ein „Dienstgerät“, sondern um ein Werkzeug für die unterrichtliche Nutzung. Damit sind bisherigen Aussagen obsolet, wonach auch eine weitergehende Nutzung für dienstliche Angelegenheiten ins Auge gefasst wird (Abwicklung von Beihilfeanträgen und Reisekosten, digitale Anträge für dienstliche Angelegenheiten, innerdienstliche Kommunikation u.a.).

Im Kontext der Kommunikation mit Eltern und Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Distanzlernens müssen vom Land folgende Fragen beantwortet werden:

  1. Wie wird eine datenschutzkonforme Kommunikation mit Eltern und Schülerinnen und Schüler über das den Lehrkräften zur Verfügung gestellte  Gerät sichergestellt? Zur Erinnerung: Das HKM hat in den letzten Tagen erneut darauf hingewiesen, dass eine Kommunikation mit den Eltern über eine private Mailadresse nicht zulässig ist, obwohl sie zur Zeit alternativlos ist.
  2. Wie wird sichergestellt, dass die Geräte über die notwendige Software und Verschlüsselungstechnik über abgesicherte Internetverbindungen verfügen, um Videokonferenzen mit Eltern und Schülerinnen und Schüler durchzuführen?
  3. Wie wird eine landesweit einheitliche Ausstattung sichergestellt, die eine datenschutzkonforme Anbindung an die Server des Landes und das hessische Schulportal ermöglichen?

Wir sind dabei über den Gesamtpersonalrat eine Liste mit Fragen an die Schulträger und das Schulamt weiter zu leiten, die vor einer Anschaffung beantwortet werden müssten.  Hier ein Auszug:

1. Warum werden die PR nicht in die Entscheidungsfindung eingebunden?

2. Kann eine Entscheidung für eines der Geräte ohne Beteiligung der Gesamtkonferenz bindend sein?

3. Welche Hardware- Ausstattung werden die Geräte haben?

4. Werden UBUS- und sozialpädagogische Fachkräfte auch ausgestattet?

5. Welche Programm werden installiert sein? Besteht die Möglichkeit selbst Programme zu installieren, die für den Unterricht notwendig/sinnvoll sind? Ist ein Office- Paket installiert?

6. Wie ist die Kompatibilität zu den eingebauten Active- Panels und deren Software (bspw. in Rüsselsheim activinspire)?

7. Wie erfolgt die Verknüpfung der angebotenen iPads über eine erforderliche Apple-ID? Sofern hierzu wie zu erwarten nicht die private Apple-ID von bereits vorhandenen privaten Geräten verwendet werden muss: Wird der Lehrkraft eine dienstliche ID eingerichtet? Welche Funktionen (Updates u.a.) werden mit der dienstlichen Apple-ID nutzbar sein?

8. Wo/wie erfolgt die Datensicherung aus beiden Leihoptionen (iPad oder Laptop), über einen Stick oder über eine Cloud? Sofern über eine Cloud gesichert wird: Welcher Anbieter ist das, und wo stehen die Server?

9. In welchem Turnus werden die Leihgeräte ausgetauscht werden, um technisch aktuellen Anforderungen zu genügen (Zeitraum 3 Jahre?)?

10. Welche Regelungen sind angedacht, wenn eine Lehrkraft längerfristig ausfällt oder nicht im Dienst ist (Krankheit, Mutterschutz, Elternzeit, Pflegezeit, Sabbatjahr usw.)? Ab welchem Zeitraum muss das Gerät zurückgegeben werden? Oder ist es angedacht, dass eine Vertretungs-Lehrkraft das Gerät überreicht bekommt? Was passiert in einem solchen Fall mit persönlichen Anmerkungen, die sich die Lehrkraft auf dem Gerät gemacht hat (Datenschutz)? Nicht jede Vertretungskraft bekommt schließlich automatisch die gleichen Rollen eingeräumt, z.B. nicht als Klassenlehrer(in).

11. Welches Datenvolumen wird im Zusammenhang mit dem Gerät den Lehrkräften zur Verfügung gestellt? Ist der Zugang nur über WLAN möglich? Wer übernimmt die anfallenden Kosten, wenn von zuhause aus gearbeitet wird? Wird es einen Surfstick geben?

12. Was passiert beim Verlust des Gerätes? Ist direkter Ersatz an der Schule vorhanden?

13. Wie und wann werden durch wen Updates aufgespielt? Kann die Lehrkraft dies selbst bewerkstelligen, sind automatische Updates eingestellt?

14. Werden Geräte zurückgehalten für bspw. Lehrkräfte, die nächstes Jahr neu eingestellt werden oder aus Elternzeit zurückkehren?

15. Wie werden die IT- Beauftragten entlastet um den First-Level Support zu übernehmen?