Stellungnahme der GEW Groß- Gerau und Main-Taunus

Die schlechteste Lösung

Die Aufhebung der Präsenzpflicht für die Klassen 1 bis 6 und der reine Distanzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 mit Ausnahme der Abschlussklassen gehen nach der Ankündigung des Kultusministeriums vom 22.01. in die Verlängerung. Die höheren Klassen sollen noch „bis März“ zu Hause und danach im Wechselmodell unterrichtet werden. Für die Schülerinnen und Schüler der Grundschulen soll der Wechselunterricht in Verbindung mit einer Notbetreuung ab dem 15. Februar wirksam werden, aber schon „möglichst früh im März“ sollen sie wieder jeden Tag in die Schule kommen. Die Schulen in kürzester Zeit durch alle Modelle zu jagen, hält der Kreisverband Groß-Gerau der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für „die schlechteste Lösung“.
In den Grundschulen bleibt es den Eltern noch bis zum 14. Februar überlassen, darüber zu entscheiden, ob sie ihr Kind weiter in die Schule schicken oder zuhause betreuen. Nach Angaben des Landrates und des Schulamtes sind hier große lokale Abweichungen zu erkennen. In einzelnen Klassen gehen zwischen 20% und 80% aller Schülerinnen und Schüler weiter zur Schule. Da im Grundschulbereich weder ein Abstandsgebot noch eine Maskenpflicht gilt, sitzen hier teilweise 15 bis 20 Kinder ohne Maske in einem Raum. Selbstverständlich würden sich die Lehrerinnen und Lehrer dann nicht auf die vom Schulamt geforderte „betreute Arbeits- und Lernzeit“ beschränken, sondern einen ganz normalen  Unterricht anbieten, zu dem dann noch der Distanzunterricht mit vergleichbaren Lernzielen kommt. Die Zahl der Eltern, die ihre Kinder wieder in die Schule schicken, wird in den nächsten Tagen weiter ansteigen, da sie schon jetzt ihre Betreuungstage für das ganze Jahr aufgebraucht haben und seit Mittwoch wissen, dass sich in den nächsten vier Wochen nichts an der Situation ändern wird. Oft werden jedoch gerade die Kinder aus bildungsfernen Familien nicht in die Schule geschickt, obwohl sie ihre Aufgaben zuhause nicht adäquat meistern können.
Die Abschlussklassen kommen weiterhin nach dem Willen des Ministeriums in voller Stärke in die Schule und werden dort auf zwei Räume verteilt, damit der Abstand eingehalten werden kann. Nun eilt eine Lehrkraft zwischen beiden Räumen hin und her und soll unterrichten. Sie muss naturgemäß immer die Hälfte der Klasse unbeaufsichtigt in einem Raum zurücklassen. Manche Schülerinnen und Schüler nutzen diese Situation, um endlich ungestört und straffrei mit 15 Freund*innen zu plaudern, wenn die Lehrkraft im anderen Raum unterrichtet.
Auch für die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 7 und 8 der Gesamtschulen wird die bisherige Regelung mindestens bis Ende Februar fortgeschrieben. Diese Jugendlichen, bei denen aufgrund der Pubertät  Schule ohnehin nicht die oberste Priorität hat, fallen hinten runter, da sie komplett im Distanzunterricht sind. Hier entstehen gerade für bildungsferne Schichten zur Zeit Nachteile, die nur schwer wieder aufgeholt werden können.
Für die meisten Sekundarschulen bedeutet dies, dass mindestens ein Drittel aller Schüler jeden Tag in der Schule ist. Eine Pausenaufsicht ist nur dann gewährleistet, wenn die eingesetzten Lehrkräfte keine Pause machen, da ihre Kolleginnen und Kollegen aus den Klassen 5 bis 8 ja von zuhause den Distanzunterricht organisieren. Wenn die Lehrkräfte dann aus der Schule kommen, dürfen sie noch ihren Fachunterricht für die Distanzklassen halten. Das im Kreis Groß-Gerau seit Anfang November eingeführte und gut eingespielte Wechselmodell ist damit zerschlagen worden.
In den Berufsschulen des Kreises ist die Situation besonders dramatisch, da dort ungefähr die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler jeden Tag kommen muss. Da die Klassen dann dort auf zwei Räume aufgeteilt werden, sind so gut wie alle Räume belegt.
Die GEW weist darauf hin, dass weiterhin nur wenige Schulen technisch für einen digital gestützten Distanzunterricht ausgestattet sind. In aller Regel müssen die Lehrkräfte ihre privaten Geräte nutzen und können auch nur von zuhause auf eine stabile Internetverbindung zugreifen.
Die GEW erklärt abschließend: „Auch diese Entscheidungen wurden erneut ohne Beratungen mit den betroffenen Pädagoginnen, Pädagogen und Eltern und ohne die Personalräte und Verbände beschlossen. Sie wurden ohne Kenntnis der Schulstrukturen in Hessen getroffen und ignorieren insbesondere die Bedingungen an den Grundschulen, Gesamtschulen und beruflichen Schulen, die in schnellem Wechsel komplett divergierende und letztlich unvereinbare Regelungen anwenden sollen.“