Angesichts der hohen Infektionszahlen reicht die Maskenpflicht im Unterricht nicht aus

Gemeinsame Pressemitteilung der Kreisverbände Groß-Gerau und Main-Taunus

Stand: 17.10.2020

In einer gemeinsamen Stellungnahme der Kreisvorstände Groß-Gerau und Main-Taunus nimmt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Stellung zu den aktuellen schulbezogenen Maßnahmen in der Rhein-Main-Region. Das Kreisgesundheitsamt Groß-Gerau bezeichnet die Schulen aus Sicht der GEW zu recht als einen Bereich, „in dem sich Infektionen leicht ausbreiten können“. Die Maskenpflicht im Unterricht der weiterführenden Schulen, die nach den Herbstferien in Kraft tritt, sei angesichts der höchsten Infektionszahlen seit Beginn der Pandemie „eine völlig unzureichende Maßnahme“.

Schon weit im Vorfeld dieser Entscheidung hat die GEW dem Schulamt und den zuständigen Gesundheitsämtern geraten, weitergehende Maßnahmen an Schulen zu ergreifen und somit die nötigen Spielräume zu ermöglichen. Zwar ist es unserer Ansicht nach richtig, die Grundschulen von der Maskenpflicht auszunehmen, doch brauchen auch diese Schulen ein Repertoire an Maßnahmen, mit denen sie auf die Situation reagieren können. Dazu gehören gemäß dem Stufenplan des Kultusministeriums, der in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen den weiteren Schulbetrieb im laufenden Schuljahr regeln soll, unter anderem Modifikationen des Ganztagsangebotes und konstante Lerngruppen anstelle von klassenübergreifenden Lernangeboten. Ein solcher „eingeschränkter Regelbetrieb“ kann von den Gesundheitsämtern im Benehmen mit den Schulämtern angeordnet werden, nicht aber von einzelnen Schulleitungen. Mit der Einigung der Ämter im Rhein-Main-Gebiet auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, nämlich die Maskenpflicht im Unterricht ab Klasse 5, sind den Schulen nun die Hände gebunden.

Auch in den weiterführenden Schulen muss es unserer Ansicht nach mindestens weitere Maßnahmen des Stufenplanes geben. Diese sehen unter anderem eine Konstanz von Lerngruppen vor und dort, wo diese nicht gewährleistet werden kann, beispielsweise in den Oberstufen, ein Wechselmodell von Präsenz- und Distanzunterricht. Es muss die Möglichkeit geben, klassenübergreifende Projekte und Arbeitsgemeinschaften anders zu strukturieren sowie kursbezogenen Unterricht als Klassenunterricht zu organisieren.

Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass bei Fallzahlen, die im Corona- Eskalationsplan des hessischen Sozialministeriums kurz vor der fünften Stufe und damit vor dem Lockdown stehen, für die Schulen nur eine vereinzelte Maßnahme der zweiten Stufe des Stufenplanes des Kultusministeriums verhängt wird. Damit werden Chancen verspielt, die Infektionsraten an den Schulen so gering wie möglich zu halten.

Bisher haben in diesem Schuljahr fast alle Lehrerinnen und Lehrer, auch die Angehörigen der Risikogruppen, ihren Unterricht trotz der eigenen Gefährdung gehalten. Dies zeugt von der großen Bereitschaft, den Schülerinnen, Schülern und Eltern einen weitgehend geregelten Alltag zu bieten. Mit der Politik, dass Schule, abgesehen von der Maskenpflicht, unter allen Umständen so gehalten werden muss wie vor Corona, unterminiert man diese Bemühungen.

Wie der Vorsitzende des Kreiselternbeirates Groß- Gerau hält auch die GEW die Empfehlungen zum regelmäßigen Lüften alle 20 Minuten für nicht praktikabel. Bei fallenden Temperaturen findet der Unterricht nur noch mit Maske und dicken Mänteln in überfüllten Klassenzimmern statt. Darüber hinaus ist bei weit geöffneten Fenstern an vielen Schulen wegen des Fahrzeug- und Fluglärms kein Unterrichten möglich. Die vom Schulträger Rüsselsheim für alle Schulen angekündigten Kohlendioxidmessgeräte erinnern zwar an die Notwendigkeit zu lüften, beheben aber nicht die Probleme, wenn Klassenzimmer nicht wirkungsvoll quergelüftet werden können. Auch kann die Ausstattung mit einem Gerät pro Jahrgang nur ein erster Schritt sein. Die GEW fordert die Anschaffung von geeigneten Luftfiltern für alle Klassen- und Aufenthaltsräume, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren.