Maskenpflicht im Unterricht verlängert

GEW fordert mehr Flexibilität für Schulen

Update vom 30.8.20

Eine neue Allgemeinverfügung des Kreises Groß-Gerau vom 27.8.2020 legt fest, dass die Maskenpflicht im Unterricht für die Schulen in Rüsselsheim, Raunheim, Kelsterbach, Ginsheim-Gustavsburg, Bischofsheim und Mörfelden-Walldorf zunächst bis zum 13.9. verlängert wird. Einen Link zum Download findet man am Ende der Datei. Gegenüber den Verfügungen vom 17. und 20. August gibt es folgende Veränderung.

  1. Personen, die aus gesundheitlichen Gründen keine MNB tragen dürfen, können von der Maskenpflicht befreit werden.
  2. Die Maskenpflicht im Unterricht gilt nicht, wenn der Mindestabstand von 1,50 Metern zu anderen Personen eingehalten werden kann.
  3. Sportunterricht im Freien ist wieder möglich, wenn der Abstand eingehalten werden kann.

Insbesondere Punkt 2 bietet den Schulen bei der Organisation von Unterricht und Förderangeboten in kleinen Gruppen wieder etwas mehr Möglichkeiten, maskenfreie Bereiche zu schaffen. Allerdings liegt die Zuständigkeit für die Ausgestaltung des Unterrichts nicht bei den kommunalen Schulträgern, sondern bei der staatlichen Schulaufsicht. Landrat Will hat den entsprechenden Passus seiner Allgemeinverfügung in einer Presseerklärung wie folgt erläutert:

Nach wie vor hält der Kreis Groß-Gerau an den Schulen im Nordkreis in Rüsselsheim am Main, Raunheim, Kelsterbach, Bischofsheim, Ginsheim-Gustavsburg sowie auch in Mörfelden-Walldorf an der Pflicht fest, auch im Präsenzunterricht im Klassen- und Kursverband eine Mund-Nasenbedeckung zu tragen. „Die Pflicht gilt aber nicht, soweit die allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln des Robert-Koch-Instituts, insbesondere der Mindestabstand von 1,50 Metern zu anderen Personen, eingehalten werden kann“, so Landrat Will. „Die Rückkehr zur Regelschule mit der ursprünglichen Klassengröße halte ich angesichts der steigenden Infektionszahlen ohne weitere Schutzmaßnahmen für zu riskant“, sagte Landrat Will. „Mit der jetzigen Regelung geben wir den Schulen die Möglichkeit, zum Beispiel mit versetzten Unterrichtszeiten, angepassten Lernkonzepten oder einem geschickten System von Präsenzunterricht am Vor- und Nachmittag mit Homeschooling-Anteilen die Zumutungen, die das Tragen eines Mund-Nasenschutzes über Stunden hinweg bedeuten, zu verringern“, so Will.

Inzwischen liegen der GEW Berichte aus dem Kreis Groß-Gerau, aber auch aus anderen Regionen Hessens vor, dass Planungen der Schulen, auf die Maskenpflicht und das steigende Infektionsrisiko flexibel zu reagieren, kategorisch unterbunden werden. Das Hessische Kultusministerium und die Staatlichen Schulämter bestehen kategorisch auf der Einhaltung der Stundentafel und der regulären Stundenpläne, als sei die Pandemie graue Vergangenheit. Der Vorstand des GEW-Kreisverbands Groß-Gerau hat deshalb die unten angefügte Pressemitteilung versandt und den Landrat sowie die Bürgermeister von Rüsselsheim und Kelsterbach um Unterstützung gebeten. Auch der Gesamtpersonalrat wird umgehend in diesem Sinn tätig werden.

Presseerklärung der GEW Groß-Gerau vom 30.8.2020

GEW fordert mehr Spielräume, um Bildung und Gesundheitsschutz zu vereinbaren

Der Schulstart sei von den Schulen „in beeindruckender Weise gemeistert“ worden und die regionalen Regelungen zum Tragen von Masken hätten sich „bewährt“. Der Vorstand des GEW-Kreisverbands hält dieses Fazit von Kultusminister Lorz nach acht Unterrichtstagen für reine „Schönfärberei“. Die Sorgen von Eltern, Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften und die Belastungen durch die für Schulen im Norden des Kreises Groß-Gerau angeordnete Maskenpflicht im Unterricht würden „unter den Teppich gekehrt“. Die GEW begrüßt es, dass in der Verfügung des Landratsamts zur Verlängerung der Maskenpflicht bis zum 13. September die Maskenpflicht aufgehoben ist, wenn stattdessen die Abstandsregeln eingehalten werden können. Die GEW zeigt sich jedoch empört, dass „das Kultusministerium und die Schulaufsicht alle Planungen von Schulen zunichte machen, die das Infektionsrisiko und die Zeit begrenzen, in der Masken getragen werden müssen“. Inzwischen hat auch der Landrat des Main-Taunus-Kreises eine dringende Empfehlung für das Tragen von Masken auch im Unterricht ausgesprochen.

Der GEW liegen konkrete Berichte aus Grundschulen und Gesamtschulen im Norden des Kreises Groß-Gerau, aber auch aus anderen Teilen Hessens vor, wo sinnvolle Überlegungen „von oben“ untersagt werden, um die Fiktion eines „normalen Schuljahres im Regelbetrieb“ zu retten. Schulen, die anstelle von klassenübergreifendem Religionsunterricht Ethik im Klassenverband anbieten wollten, um Infektionsbrücken zu vermeiden, wurden angewiesen, dies zu unterlassen. Dieselbe Erfahrung machen Schulen, die versetzte Anfangszeiten organisieren oder Lerngruppen teilen wollten oder den Nachmittagsunterricht durch Förderunterricht in kleineren Lerngruppen ersetzt haben, in denen der Abstand eingehalten werden soll.  „Schultage, an denen Kinder und Jugendliche einschließlich der Zeit in überfüllten Schulbussen, im Nachmittagsunterricht und in der Ganztagsbetreuung bis zu acht Zeitstunden eine Maske tragen sollen, sind für die GEW weiterhin nicht zumutbar.“ Alle Schulen bemühen sich mit allen Kräften, soviel Unterricht und Normalität wie möglich zu organisieren, so das Fazit der GEW: „Dass ihnen auf diesem Weg alle Spielräume genommen werden, den Anspruch auf Bildung und den Gesundheitsschutz zu vereinbaren, ist für uns nicht hinnehmbar.“  

GEW-Kreisverband Groß-Gerau

Der Kreisvorstand

im Auftrag: Harald Freiling

Kreisrechtsberater

Anlagen:

Update-30-08-2020-verlängerung-maskenpflicht.pdf

GG-Allgemeinverfügung-27-08-2020.pdf

Bild: freepic, students