GEW Main-Taunus fordert tragfähiges Konzept für Schulen

in Zeiten steigender Corona-Infektionszahlen

Die Schule hat begonnen. Lehrkräfte freuen sich darauf, wieder zu unterrichten und neue Schülerinnen und Schüler zu begrüßen. Nicht nur Erstklässler freuen sich ebenfalls über den Schulanfang. Lehrkräfte, Eltern, Schülerinnen und Schüler sind jedoch mit großer Verunsicherung in das neue Schuljahr gegangen. Die Hoffnung, die vor den Sommerferien bestand, dass der positive Trend fallender Infektionszahlen sich über den Sommer fortsetzen und einen annähernd normalen Schulbeginn ermöglichen würde, hat sich leider nicht erfüllt.

Begrüßenswert ist es, dass Lehrkräften zurzeit freiwillige Corona-Tests geboten werden. Allerdings hängt die Chance, durch Testung Infektionsketten zu unterbrechen, maßgeblich von einer schnellen Übermittlung der Testergebnisse ab. Uns ist nun der Fall einer Lehrerin aus dem Main-Taunus-Kreis bekannt geworden, die eine ganze Woche auf ihr Testergebnis warten musste. An dieser Stelle muss das Gesundheitsamt Verstärkung erhalten, damit dieses sinnvolle Angebot und die Bereitschaft vieler Lehrkräfte, sich testen zu lassen, um sich und ihre Schulgemeinde zu schützen, die gewünschte Schutzfunktion tatsächlich erfüllen kann.

Im benachbarten Kreis Groß Gerau, wo mit mehr als 20 wöchentlichen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern die Infektionszahlen in den letzten Tagen in die Höhe gegangen sind, wurden Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte durch Verordnung des Landkreises nun verpflichtet, auch im Unterricht Masken zu tragen. Sportunterricht darf nicht erteilt werden. Der Main-Taunus-Kreis ist mit der Zahl 18, die am 17. August erreicht wurde, nicht mehr weit von dieser Grenze entfernt. Mehrere Großstädte in Südhessen überschreiten diese Grenze ebenfalls. Einige Schulen haben bereits aus eigener Initiative weitergehende Maskenpflichten verhängt, als dies im landesweit geltenden Hygieneplan und in der geltenden Verordnung des Landes Hessen vorgesehen ist, um Infektionen vorzubeugen.

Masken im Unterricht zu tragen, ist aber keine Lösung, erst recht keine Dauerlösung. Täglich sehen wir im Fernsehen, wie Politikerinnen und Politiker vor ein Mikrofon treten, ihre Maske abnehmen und zu sprechen beginnen. Kindern und Jugendlichen sowie ihren Lehrerinnen und Lehrern ist es nicht zuzumuten, durch Masken hindurch zu sprechen und über mehrere Stunden zu lernen und zu lehren, zumal die Temperaturen in Schulräumen weit wärmer sind als in Operationssälen von Krankenhäuser, in denen der Mund-Nasen-Schutz bisher benutzt wurde. In dieser Situation vermissen wir einen Plan B der Landesregierung. Lokal verhängte Maskenpflichten sind Zeichen von Hilflosigkeit und hektischer Reaktion auf die Krise, aber kein tragfähiges Konzept für das gesamte Schuljahr.

Überall dort, wo angesichts steigender Infektionszahlen der Unterricht in kompletten Lerngruppen und der damit verbundene  Verzicht auf den Mindestabstand zu riskant erscheinen, muss es alternative Lösungen geben. Kleine Gruppen sollten in halber Klassenstärke unter Wahrung des gebotenen Mindestabstandes tage- oder wochenweise abwechselnd unterrichtet werden. Damit kann auf Konzepte zurückgegriffen werden, die in den Schulen vor den Sommerferien entwickelt und erprobt wurden. Diese Kombination von Präsenz- und Distanzunterricht, soweit möglich und sinnvoll gestützt durch digitale Hilfsmittel wie Schulportal oder moodle,  wäre allemal besser  als das Risiko, Schulen wieder gänzlich schließen zu müssen, wenn es zu Ansteckungen kommt. In den Grundschulen muss  weiterhin eine strikte Trennung der Lerngruppen gewahrt und diese auch in der Nachmittagsbetreuung aufrechterhalten werden.

Anstatt sich mit der Umsetzung wöchentlich wechselnder Maßnahmen zu verzetteln, könnten sich Lehrkräfte wieder auf ihre pädagogischen Aufgaben und den Unterricht konzentrieren. Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern wäre mit einem Konzept gedient, auf das sie sich für die nächsten Monate verlassen können.