Bei Maskenpflicht höchstens 4 Stunden Unterricht

GEW Groß-Gerau

In Teilen des Landkreises Groß-Gerau  wurde eine Maskenpflicht auch im Unterricht angeordnet. Angesichts der weiter hohen Infektionszahlen ist nicht davon auszugehen, dass die vorläufige Befristung bis zum 30.8. aufgehoben werden kann. Die GEW hält eine Maskenpflicht über den gesamten Schultag mit bis zu acht Zeitstunden für unzumutbar und unverantwortlich und erhebt deshalb die folgende dringliche Sofortforderung an das Land Hessen und an die kommunalen Behörden:

Überall dort, wo die Behörden eine Maskenpflicht für die Schulen anordnen oder die Schulkonferenz einen solchen Beschluss gefasst hat, ist der Unterricht sofort auf maximal zwei Doppelstunden am Tag mit einer halbstündigen Pause zu begrenzen.

Der GEW-Kreisverband hat bereits in seiner Stellungnahme zum Schuljahresbeginn zur Maskenpflicht in der Schule Stellung genommen. Die Maskenpflicht wird zwar von vielen Lehrerinnen und Lehrern begrüßt, da alle anderen Schutzmaßnahmen, insbesondere die in allen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens geltenden Abstandsregeln, von der Landesregierung aufgehoben wurden, doch machen alle Rückmeldungen deutlich, dass die Maskenpflicht im Schulalltag mit großen Problemen verbunden ist. Der GEW liegen am Ende der ersten Schulwoche zahlreiche Berichte aus den Schulen vor, die die Belastungen durch Kopfschmerzen, fehlende Konzentration, Übelkeit und ein stark reduziertes Wohlbefinden dokumentieren: „Die Masken behindern die pädagogische Arbeit und sind Kindern, Jugendlichen und Lehrkräften über viele Stunden am Tag einschließlich der Ganztagsangebote nicht zuzumuten.“

Kultusminister Lorz hat noch unmittelbar vor den Sommerferien erklärt, er halte einen Unterricht mit Maske für „pädagogisch grenzwertig“. Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte Thomas Fischbach sieht die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler durch das Tragen einer Mund-Nase-Maske im Unterricht beeinträchtigt.

Die Belastung wird durch die aktuellen Temperaturen und völlig unpraktikable Vorgaben des Landes und des Kreisgesundheitsamts weiter erhöht. Wenn man Anweisung ernst nimmt, dass „vor und nach dem Abnehmen der benutzten Mund-Nasen-Bedeckung die Hände gründlich mit Seife zu waschen oder  zu desinfizieren sind“, bleibt kaum noch Zeit für den Unterricht. Ignoriert werden auch die Vorschriften der Berufsgenossenschaften, dass je nach Maskenart nach 75 bis 120 Minuten eine 30-minütige „Maskenpause“ eingelegt werden muss.

Für die Schulen im Kreis Groß-Gerau, die jetzt von der Maskenpflicht im Unterricht betroffen sind, stellt die GEW eine ganz konkrete Forderung auf: „Eine Maskenpflicht über den gesamten Schultag mit bis zu acht Zeitstunden ist unzumutbar und unverantwortlich. Deshalb muss der Unterricht überall dort, wo die Behörden diese für die Schulen anordnen, sofort auf maximal zwei Doppelstunden am Tag mit einer halbstündigen Pause begrenzt werden.“

Die konkrete Umsetzung muss den Schulen überlassen bleiben. Versetzte Anfangs- und Pausenzeiten müssen dafür sorgen, dass es eine echte Maskenpause gibt, in der Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte mit Abstand die Maske abnehmen können. 

Mit der Maskenpflicht im Unterricht ist bereits die „letzte Eskalationsstufe“ erreicht. Die GEW fordert deshalb, dass umgehend die notwendigen Vorbereitungen getroffen werden, um notfalls auch kurzfristig wieder zum Unterricht in kleineren Lerngruppen, in denen das Abstandsgebot eingehalten werden kann, zurückkehren zu können. Dazu müssen Stundenpläne vorgehalten werden, die sowohl Stunden im Präsenzunterricht vorsehen als auch verlässliche und verbindliche Regelungen für das Lernen zu Hause.

Dabei lässt die GEW keinen Zweifel daran, dass sie Abstandsregeln, das Tragen von Masken und die  Regelungen für Veranstaltungen für zwingend erforderlich hält, um die Verbreitung des  SARS-CoV-2-Erregers zu begrenzen. Es ist deshalb unverantwortlich, ausschließlich in der Schule auf die Abstandsregeln zu verzichten, und das „über viele Stunden mit viel zu vielen Menschen in zu kleinen Räumen, die man oft nur schlecht lüften kann“.

Bild: freepic, students