Presseerklärung der GEW GG und MTK

Ankündigungen von Kultusminister Lorz zum Unterrichtsbetrieb nach den Sommerferien

 

An die örtliche und regionale Presse

Zur Kenntnis:

Schulträger im Kreis Groß-Gerau und im Main-Taunus-Kreis

Kreiselternbeiräte

Personalräte der Schulen

Ankündigungen von Kultusminister Lorz zum Unterrichtsbetrieb nach den Sommerferien

Die Vorstände der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Kreis Groß-Gerau und im Main-Taunus-Kreis nehmen in einer gemeinsamen Presseerklärung zur Ankündigung des Kultusministers Stellung, dass der Unterricht in den hessischen Schulen nach den Sommerferien wieder in vollem Umfang aufgenommen werden soll. Dabei sollen wesentliche Maßnahmen zur Reduzierung des Infektionsrisikos nicht mehr gelten. Das gilt insbesondere für die Abstandsregeln und die Bildung konstanter Lerngruppen zur Vermeidung von Infektionsbrücken.

Aus pädagogischer Sicht teilt die GEW den Wunsch der Eltern und der Lehrkräfte, im neuen Schuljahr zum regulären Unterricht zurückkehren zu können, da die Infektionszahlen derzeit sinken und die Hoffnung besteht, dass die positive Entwicklung weiterhin anhalten wird. Doch dürfe diese Hoffnung nicht die alleinige Richtschnur für die Entscheidungen der Landesregierung sein. Die Gefahr einer erneuten lokalen, regionalen oder landesweiten Schließung von Schulen wird aus Sicht der GEW vom Ministerium heruntergespielt. Wörtlich heißt es in der Presseerklärung: „Wir können aus den Briefen des Ministeriums an die Schulen und die Eltern vom 30.6. nicht erkennen, welche Vorkehrungen getroffen werden, um bei einer neuen Infektionswelle besser vorbereitet zu sein als im März 2020.“

Dies gelte insbesondere für die Verbindlichkeit von unterrichtsersetzenden Lernsituationen im sogenannten „Homeschooling“, für die Lehrpläne, für den Ausbau des Schulportals und für die Verfügbarkeit digitaler Endgeräte für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte. Die angekündigten Leihgeräte sollen offensichtlich nur noch für Schülerinnen und Schüler zur Verfügung gestellt werden, die auf Grund eines erhöhten Risikos  nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können. Auch von einer geeigneten stabilen und datensicheren Plattform für Videounterricht, wie sie Kultusminister Lorz noch am 13.6. in Rüsselsheim als Teil des Schulportals in Aussicht stellte, ist nicht mehr die Rede. Stattdessen wird den Schulen trotz aller Warnungen aus dem Kultusministerium weiterhin erlaubt, „alle gegenwärtig erhältlichen Videokonferenzsysteme“ zu nutzen.

Die GEW hält es außerdem für „unseriös“, dass sich der Kultusminister bei der Aufhebung der Abstandsregeln für alle Klassen auf die „Erfahrungen“ der Grundschulen beruft. Zum Zeitpunkt des Ministerschreibens war der „Probelauf“ an den Grundschulen gerade sechs Tage alt: „Aussagen über die Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen sind hier überhaupt noch nicht möglich.“

Angesichts der Warnung zahlreicher Virologen vor der Öffnung der Schulen ohne Abstandsregeln ist auch die Aussage des Ministers, er beziehe sich immer „auf medizinische Empfehlungen und wissenschaftliche Befunde“, für die GEW „wenig glaubwürdig“.

Für begrüßenswert hält die GEW die Bereitstellung von Schutzausrüstung und Testmöglichkeiten für Lehrkräfte und sozialpädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dies wünschen. Allerdings müssten auch hier den Worten Taten folgen.

Keine Lernbereitschaft sieht die GEW dagegen bei der Bereitschaft des Kultusministeriums, Eltern, Lehrkräfte, Gewerkschaften und Personalräte an den Entscheidungen zu beteiligen, wie Lorz dies unter anderem am 13.6. in Rüsselsheim versprochen hatte. Als Beispiel nennt die GEW die Vorbereitungen für die „Sommerakademie“ am Ende der Ferien: „Obwohl in der extrem kurzfristigen Information an Schulen und Eltern von einer ‚Abstimmung mit den Schulträgern‘ die Rede war, erfuhr auch Landrat Will von diesem Vorhaben erst aus dem Anschreiben an die Schulen.“ Seiner Feststellung könne sich die GEW uneingeschränkt anschließen: „Zusammenarbeit auf Augenhöhe sieht anders aus!“

GEW-Kreisverband Groß-Gerau

für das Kreisvorsitzendenteam: Robert Hottinger

r.hottinger@gew-gg-mtk.de

GEW-Kreisverband Main-Taunus

für das Kreisvorsitzendenteam: Katja Pohl

katja.m.pohl@web.de