GEW-Info vom 19.6.2020:

- Hygieneplan 3.0

- Unterricht an Grundschulen

- Risikogruppen

Hygieneplan 3.0 - Risikogruppen ab 22.6.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

am Donnerstag abend nach 19 Uhr (!!!) erhielten die Schulen den ab Montag (!!!) geltenden Hygieneplan 3.0. Auf der Homepage des HKM war er auch  heute morgen noch nicht eingestellt, dort findet man immer noch die Version 2.0 mit der durchgehenden Verpflichtung zur Einhaltung der Abstandsregeln in allen Jahrgangsstufen.

Unterricht in Grundschulen ab dem 22.6.

Der Hygieneplan 3.0 setzt die Abstandsregeln für die Grundschulen ab dem 22.6. außer Kraft. Sie sollen durch "konstante Gruppenbildungen" ersetzt werden. Bereits mit dem Erlass vom 10.6. wurden die Grundschulen verpflichtet, ab dem 22.6. wieder in voller Klassenstärke vier bzw. fünf Zeitstunden in der Schule abzudecken.

Dies löste einen Sturm der Entrüstung aus. Daran ändert auch der auch aus dem Schulamt in Rüsselsheim unterstützte Versuch nichts, diesen Probelauf "mit den Sommerferien als Puffer" (Lorz) jetzt zu einem Test umzudeuten, " organisatorische und andere Erkenntnisse zu sammeln, die dann für die geplante richtige Schulöffnung aller Schulen nach den Sommerferien genutzt werden können".  Wäre das ernst gemeint, müsste man jetzt zu einer breiten Diskussion auffordern, statt Kritik abzublocken oder zu ignorieren. Folgende "Erkenntnisse" sind aber schon jetzt offenkundig:

  1. Anders als von HKM und Schulamt kommuniziert, gibt es keine abschließenden wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Verbreitung des Virus durch Kinder, schon gar nicht für die Behauptung des Kultusministers in der Landespressekonferenz, Kinder wirkten möglicherweise als "Infektionsbremsen".
  2. Eine Durchmischung der Lerngruppen ist nicht zu verhindern. Sie beginnt auch bei versetzten Pausen etc. spätestens auf dem Schulhof, im Ganztag (!!!), auf dem Nachhauseweg oder durch Geschwisterkinder in den Familien.
  3. Die Bildung "konstanter Personalteams in jeder Klasse" (Hygieneplan 3.0) ist auch auf Grund der Stundenpläne der Kolleginnen und Kollegen, des Fachunterrichts auch an Grundschulen und der hohen Teilzeitquote nicht möglich. Hier sind Abstriche an der Vorgabe verlässlicher Schulzeiten von vier bzw. fünf Zeitstunden unabdingbar. 

Von der Einsichtsfähigkeit, die der Kultusminister in seinem Erlass an die Grundschulen vom 7.5. erkennen ließ, ist nichts mehr geblieben. Dieser Erlass versprach den Schulen Planungssicherheit "bis zu den Sommerferien". Außerdem widersprach er dem Eindruck, "es würde von Ihnen erwartet, das Unmögliche möglich zu machen." Genau dies sei jedoch nicht der Fall: "Herr Minister Prof. Lorz hat es mit der Aussage auf den Punkt gebracht 'Wir machen das Machbare'. Damit wird verdeutlicht, dass manches auch nicht machbar sein wird."

Risikogruppen

Wie angekündigt enthält der Hygieneplan auch Änderungen bezüglich der Risikogruppen und die Freistellung vom Präsenzunterricht:

  1. Lehrkräfte über 60 werden nur noch dann vom Präsenzunterricht freigestellt, wenn sie ein ärztliches Attest vorlegen. Es muss wie für alle anderen Lehrkräfte mit Vorerkrankungen die Bestätigung enthalten, "dass im Fall einer Infektion mit dem Coronavirus SARS CoV-2 aufgrund der besonderen Disposition die Gefahr eines besonderen schweren Krankheitsverlaufs besteht." Es gibt keine Vorgabe, dass dieses Attest von einem Amts- oder Betriebsarzt ausgestellt werden muss, damit kann jeder niedergelassene Arzt ein solches Attest, das vom Beschäftigten zu bezahlen ist, ausstellen.
  2. Besonders skandalös ist die Tatsache, dass im Hygieneplan 3.0 auch schwangere und stillende Lehrerinnen nicht mehr automatisch vom Präsenzunterricht freigestellt werden. Diese Regelung wird ausgerechnet zu dem Zeitpunkt aufgehoben, zu dem die Infektionsgefahr mit der Rückkehr zu ungeteilten Lerngruppen erheblich ansteigt. Auch für sie soll die Freistellung nur noch mit dem unter 1.) genannten Attest möglich sein. 

Angesichts der Tatsache, dass es jetzt noch um exakt 10 Unterrichtstage geht, setzen wir als GEW hier auf die Fürsorge und Verantwortung der Schulleiterinnen und Schulleiter.