Offener Brief an den Kreistag

GEW fordert neue Gesamtschulen im Kreisgebiet

In einem Offenen Brief an den Landrat, die Kreistagsfraktionen und die Stadt Rüsselsheim fordert der GEW- Kreisverband Groß-Gerau die bestehenden Gesamtschulen nicht unendlich zu vergrößern, sondern neue Gesamtschulen zu errichten. Der Brief im Wortlaut:

GEW fordert neue Gesamtschulen im Kreis


Sehr geehrte Damen und Herren!
Der Kreistag und seine Ausschüsse beraten und beschließen in den nächsten Tagen über eine angesichts steigender Schülerzahlen dringend erforderliche Schulbauinitiative des Kreises. In diesem Zusammenhang möchten wir Ihnen ein dringendes Anliegen vortragen, das wir in den letzten Monaten wiederholt mit Kolleginnen, Kollegen und Personalräten thematisiert haben.
Die Gesamtschulen im Kreis sind ein Erfolgsmodell. Sie verzeichnen immer größeren Zulauf und platzen trotz der Baumaßnahmen aus allen Nähten. Sie leisten dabei mit Abstand den größten Teil der Aufgaben der Inklusion und Integration an den weiterführenden Schulen. Sie führen Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Schichten mit großem Engagement und durchdachten Konzepten zu guten Schulabschlüssen.
Mit wachsender Sorge beobachten wir seit einigen Jahren die Schulentwicklung an den Ge-samtschulen im Kreis Groß-Gerau. Der Zulauf bringt mit sich, dass die Kolleginnen und Kollegen in immer größeren Systemen arbeiten. Zahlreiche Gesamtschulen werden gerade aus-gebaut oder Ausbauten sind in Planung. Der Kreistag soll nächste Woche die Maßnahmen- und Dringlichkeitsliste beschließen, in der über 80 Millionen Euro für die Erweiterung der bestehenden Gesamtschulen eingeplant sind. In Rüsselsheim befindet sich die Alexander-von-Humboldt-Schule im Ausbau.
Größere Schulen bringen unserer Ansicht nach aber gravierende Nachteile mit sich. Unsere Arbeit auch und gerade mit einer Schülerschaft, die von ihrem Elternhaus nicht privilegiert ist, erfordert einen engen Bezug von Lehrer*innen und Schüler*innen. Dieser geht mit steigenden Schülerzahlen aber verloren, wird anonymer.
Es hilft ungemein, wenn man von den meisten Schüler*innen die Namen kennt und sie persönlich ansprechen kann und kennt, auch von denen, die man nicht selbst unterrichtet.
Wachsende Schulen gehen auch mit wachsender Lehrerzahl einher, was zwar für die Schul-leitungen zu mehr Flexibilität in der Planung, aber auch zu einer Anonymisierung innerhalb der Kollegien führt.
Der GEW- Kreisverband ist der Meinung, dass es für unsere Arbeit besser wäre, in kleineren, überschaubaren Systemen zu arbeiten. Je größer und anonymer die Schulen werden, desto schwieriger wird unsere Arbeit. Wir fordern deshalb dringend den Bau von neuen Gesamtschulen im Kreisgebiet, statt die bestehenden immer weiter auszubauen.
Für Rückfragen und persönliche Gespräche stehen wir gerne zu Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen,

 

Harald Freiling (Kreisvorsitzender)

 

 

In einer ersten Stellungnahme schließt sich der Kreiselternbeirat den Forderungen der GEW an.